Lösung im Streit mit Huawei in Sicht?

Jul 12, 2019
Allgemein
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Huawei

Der 15. Mai 2019 war zweifelsohne ein folgenschwerer Tag für das chinesische Unternehmen Huawei. US-Präsident Donald Trump rief einen internationalen Notstand aus, er bezichtigte das Unternehmen der Zusammenarbeit mit der chinesischen Regierung zu Spionagezwecken und erließ zum Schutze von Smartphonenutzern ein Dekret, welches amerikanischen Unternehmen untersagt, Geschäftsbeziehungen zu Huawei zu unterhalten. Am 20. Mai 2019 verschob das US-amerikanische Handelsministerium das entsprechende Dekret auf den 19. August 2019. Doch wie geht es nun mit dem Unternehmen weiter? Was sind die Folgen für Huawei selbst, aber auch für den einzelnen Kunden?

Hard- als auch Software ist betroffen

Das amerikanische Unternehmen Facebook reagierte schnell auf Trumps Erlass, indem es keine Vorinstallation von eigenen Apps, wie Facebook Messenger, Whatsapp oder Instagram auf Huawei Geräten mehr zuließ. Dies sollte jedoch kein allzu großes Problem für Nutzer darstellen, da letztere normalerweise nie vorinstalliert sind und man sie demnach sowieso selbst aus dem Google Play Store herunterladen muss. Da bei Whatsapp beispielsweise keine Beziehung zwischen Huawei und Facebook, sondern zwischen Facebook und dem Smartphone-Nutzer besteht, sollte dies weiterhin unproblematisch sein.

Sollte Google wie vorgesehen auch alsbald die Handelsbeziehungen zu Huawei abbrechen, wird die ganze Situation deutlich problematischer, da die Produkte dann keine Updates mehr bekommen und kein Zugang mehr zum Google Play Store möglich wäre. Auch Dienste in Googles Besitz, wie beispielsweise Gmail, wären von Huawei-Geräten aus nicht mehr über Apps bedienbar.

Ein weiteres großes Problem für Huawei besteht in der Tatsache, dass Huawei auch keine Hardware von US-Unternehmen mehr erhält. Viele amerikanische Chiphersteller, auf die das Unternehmen angewiesen ist, wie Qualcomm, Intel und Broadcom haben die Geschäftsbeziehungen abgebrochen, auch Hersteller anderer Bauteile beliefern den Großkonzern nicht mehr. Weiterhin sind Huaweis Huawei-Kirin-Prozessoren abhängig von Technologien und Patenten des britischen Herstellers AMR, der ebenfalls die Zusammenarbeit unterbunden hat. Somit benötigt das Unternehmen ab spätestens 2020 vollständig neue Prozessoren aus eigener chinesischer Produktion.

Nebenbei erwähnt ist es Huawei aus selben Gründen zukünftig auch untersagt, einen MicroSD-Kartenschacht einzubauen, die Firma hat jedoch bereits ein eigenes Speicherkartenformat in Größe einer Nano-SIM-Karte eingeführt.

All das hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach Huawei-Produkten stark zurückgegangen ist.

Huawei mit eigenem Betriebssystem

Soweit bekannt, geht Huawei gerichtlich gegen das Dekret des US-Präsidenten vor. Zudem kündigte das Unternehmen an, dass einige ausgewählte Smartphone Modelle, darunter das Huawei Mate 20, das Huawei P Smart 2019 und das Huawei P30, definitiv noch ein Update auf Android 10 und trotz der ablaufenden 90-Tage-Frist auch noch auf Android 10Q erhalten werden.

Zudem haben philippinische Huawei-Händler aus Kulanz eine zweijährige Rückgabegarantie eingeführt: Kunden, die ihr Produkt vor dem 31. oder vor dem 15. August 2019 erworben haben, erhalten den vollständigen Kaufpreis zurück, sollten Google-Apps und Dienste innerhalb der nächsten zwei Jahre nicht mehr auf den Geräten funktionieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Huawei bereits seit Längerem angekündigt hat, ein eigenes Betriebssystem, Huawei Ark Os, einzuführen. Nach neuesten Berichten soll dieses spätestens im Frühjahr 2020, vielleicht auch schon im Herbst 2019 auf allen Huawei Geräten verfügbar und mit Android-Apps kompatibel sein. Somit wäre wenigstens das Problem des fehlenden Betriebssystems gelöst, sobald Google die Geschäftsbeziehung zu Huawei abbricht.

Wiederaufnahme der Handelsgespräche

Bei der Vorstellung des neuen Huawei Mate 20 X 5G am 2. Juli 2019, machte der Westeuropa-Chef Walter Ji bereits deutlich, dass Huawei ganz klar weiter auf Android als Betriebssystem setzten möchte.

Auf dem G20-Gipfel gab US-Präsident Donald Trump an, vorerst das Lieferverbot für US-Firmen an Huawei aufzuheben, solange die Waren keine größeren Sicherheitsprobleme darstellen. Genauere Informationen hierzu sind noch nicht bekannt, Details wollte der Präsident in der ersten Juniwoche mit seinen Beratern abklären. Der Grund für Trumps plötzlichen Stimmungswandel ist vermutlich jedoch die Wiederaufnahme der Handelsgespräche mit China und die Tatsache, dass der chinesische Präsident den Kauf großer Mengen amerikanischer Agrarprodukte versprochen hat.

Bislang sind keine genaueren Informationen verfügbar. Huawei bemüht sich bereits, seine Kunden über die Internetseite huaweiantwortet.de zu beruhigen und ansonsten müssen sich Huawei-Nutzer noch etwas gedulden. Ganz so düster, wie zu Beginn der Diskussion im Mai sieht die Situation jedenfalls nicht mehr aus, Donald Trump scheint noch ein wenig Hoffnung übrig zu lassen.

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